Rund um den Kirchturm

Wer rechnen kann …

Rechnen Sie gerne? Mir macht das Spaß seit meiner Schulzeit. Neben Deutsch hatte ich Mathematik als Leistungskurs gewählt. Trotzdem bin ich Theologe geworden, oder eher deshalb. Alles hängt miteinander zusammen. Eine Generation später hängt immer noch alles zusammen, aber längst haben Computer das Rechnen übernommen und bremsen, lenken, warnen im Auto und im Alltag. Wer positiv von Mathematik spricht erntet schnell Kommentare der Art: „Kann ich nicht, will ich nicht, brauche ich nicht“ und in der Schule: „Wozu lernen wir das überhaupt?“ – um dann schnell ins Handy zu blicken, das ohne Mathematik nur den Nutzen eines Isarkiesels hätte.

Alltagsrechnen verstehen wir: wer zwei Kuchen bäckt benötigt doppelt so viele Eier. Wenn ein Liter Sprit 1.50 € kostet, kosten 20 Liter 30.00 €. Integralrechnung dagegen ist unbekannt, auch wenn sie vor 350 Jahren von Gottfried Wilhelm Leibniz „entdeckt“ wurde – ihm verdanken wir das lange „S“ Eine Generation später erst entdeckte Leonhard Euler die nach ihm benannt Zahl „e“.

Doch wozu braucht man das? Angenommen der Stallauer Weiher wird von Blaualgen befallen. Am ersten Tag eine Hand voll Algen, am nächsten Tag doppelt so viel, am dritten Tag verdoppelt sich wieder jede einzelne Alge. Nach 100 Tagen kann man die Algen schon gut erkennen. Nach eineinhalb Jahren (365 x 1.5 = 547 Tage) ist der halbe Weiher mit Algen gefüllt. Wie lange dauert es, bis der ganze See gefüllt ist? Richtige Antwort: einen einzigen Tag. Wir können uns solche Entwicklung kaum vorstellen, reagieren zu spät. Die Funktion lautet: Anzahl Tage (x) hoch 2. Mathematiker nennen etwas, das lange kaum Wirkung zeigt und dann plötzlich dramatisch steigt „Exponentielles Wachstum.“ Die Zahl von Euler kann das am besten, auch wenn sie nur 2,72 klein ist. Der R-Wert der Virologen ist auch so eine Funktion, gebe Gott, dass er nicht auf 2 steigt! Motivieren sie Ihre Kinder beim Home-Schooling für Mathematik und lernen selbst noch etwas dazu. Es lohnt sich!