Klammeraffen sind unsicher

Ein Gedanke zur Zeit

Am 20. Januar wird der neugewählte US-Präsident Joe Biden in sein Amt eingeführt und der bisherige Amtsinhaber Donald Trump verabschiedet. Die Besonderheit: nie zuvor hat sich ein abgewählter US-Präsident so an sein Amt geklammert und versucht den natürlichen Fortgang der Geschichte zu sabotieren.

Abschiede sind schmerzlich, besonders, wenn sie mit Verlusten zu tun haben. Menschen sind dabei wie Klammeraffen. Beim Erkennen von Gefahr oder Verlust krallt sich deren Nachwuchs fest in das Fell der Mutter, um sich weiter in Sicherheit wiegen zu können. Auch heute „klammern“ sich Menschen lieber an Vertrautes, als sich auf Neues einzulassen. Loslassen will gelernt sein. Die Bindungsforschung weiß: Je sicherer sich Babys im Frühstadium bei ihren Eltern fühlen durften, desto leichter fällt später, sich zu lösen und auf Neues einzulassen.

Ich möchte nun nicht in Trumps Kindheit wühlen, lieber werfe ich einen Blick in die Bibel. Prototyp für das Abschiednehmen ist Abraham. Gott ruft ihn aus seiner Heimat und verheißt ihm ein neues, weites Land. Abraham nimmt diesen Abschied klaglos an, weil er sich bei Gott sicher fühlt. Er zehrt von dessen Zuspruch: „ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“.

 Auch bei unseren Abschieden ist es sicher besser, sich der Nähe Gottes zu vergewissern und neue Aufgaben anzugehen, als zurück zu blicken und sich an Verlorenem festzukrallen.

Mit diesem letzten Beitrag "zur Zeit" verabschiede auch ich mich von Ihnen. Ich danke für ihr Interesse und bin mir sicher, dass diese Rubrik auch weiterhin interessante Beiträge liefern wird.

Dekan Martin Steinbach