"Hauptsache: gesund!?"

Zur "Woche für das Leben"

In der gegenwärtig stattfindenden „Woche für das Leben“, wollen katholische und evangelische Kirche Impulse beisteuern zum Thema „Schwangerschaft und Pränataldiagnostik“. „Hauptsache gesund!“ – so sind sich Eltern und Gratulanten nach der Geburt eines Kindes oft einig. Was aber, wenn das Kind nicht gesund zur Welt kommt? Nach anfänglichem Erschrecken und sicher auch einer Zeit der Trauer haben Eltern sich dieser Herausforderung gestellt. Haben das Kind mit seinem Handicap geliebt und sich nach Kräften dafür eingesetzt – unter manchem Verzicht. Sie konnten sich über kleine Erfolge in der Entwicklung ihres Sprösslings freuen und durften spüren, dass auch das Kind, je nach dem Grad seiner Einschränkungen, Freude in bestimmten Situationen empfinden und zeigen konnte. Der Wunsch „Hauptsache gesund!“ hat sich für diese Eltern relativiert.

Heute ist für werdende Eltern vieles schwieriger geworden. Mit den Möglichkeiten zur vorgeburtlichen Untersuchung des Embryos... sind Fehlbildungen schon während der Schwangerschaft feststellbar. Was aber, wenn Eltern mit einer solchen Diagnose konfrontiert werden?  Und wenn es dann heißt, ein mit Krankheit oder Behinderung geborenes Kind sei »heute nicht mehr nötig«? Kann man über einem Embryo je nach seiner Qualität den Daumen heben oder senken? Was nicht gebraucht wird in solchen Situationen sind Urteile und Verwerfungen, gebraucht werden dagegen Begleitung und Beistand. Und letztlich sind wir alle angefragt, wie wir dem allgegenwärtigen Anspruch nach Perfektion begegnen. 

Dekan Martin Steinbach