Der Geist, der uns verändert

Ein Gedanke zur Zeit

Die Bibel berichtet schon auf ihren ersten Seiten von Vergehen und Verbrechen. Adam und Eva brechen geltende Gesetze, später erhebt sich ihr Sohn Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlägt ihn. Würde man die dazu biblisch angegebene Bevölkerungszahl von gerade mal vier Personen wörtlich nehmen, die damalige Kriminalitätsstatistik wäre schwindelerregend hoch. Da hat es der deutsche Innenminister deutlich besser. Er verkündete letzte Woche für unser Land den niedrigsten Stand aller Straftaten seit der Wiedervereinigung. Diese positive Nachricht widerspricht unserem Gefühl, dass man sich „nicht mehr hinaustrauen könne“, dass Flüchtlinge dieses Land verrohen und Jugendliche keine Grenzen mehr kennen würden. Trotzdem ist jede Straftat eine zu viel. Jede Gewalt verursacht Leid, jeder Betrug zerstört Gemeinschaft. Die Bibel benennt die Ichsucht des Menschen als Wurzel dieses Übels. Der Mensch ist immer gefährdet, sich selbst als Maß und Ziel seines Handelns zu sehen. Aus Sorge um sich selbst droht er, sein Schicksal selber in die Hand zu nehmen – ohne Rücksicht auf andere. Wohin das führen kann, entnehmen wir der Bibel und heute der Zeitung.

Am kommenden Sonntag feiern wir Pfingsten, die Aussendung des Geistes Gottes. Dieser Geist entgegnet uns, dass wir keine Angst um uns haben müssen, weil Gott für uns sorgt. Dieser Geist lässt uns den Anderen sehen und nimmt uns in die Pflicht. Diesen Geist brauchen wir, wir erbitten und wir feiern ihn. Nur er wird unsere Welt verändern.        

Dekan Martin Steinbach